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Kinderschlaf

Kind schläft nur bei Mama ein – so klappt das Einschlafen mit Papa

Kind schläft nur bei Mama ein – so klappt das Einschlafen mit Papa
😴 Kinderschlaf

„Wenn ich abends ins Zimmer komme, fängt er sofort an zu schreien – er will nur Mama." Dieser Satz kommt in meiner Praxis häufig von Vätern, von Co-Eltern oder auch von Großeltern. Das ist nicht nur für die Mama belastend, sondern löst bei vielen Papas Frust und Enttäuschung aus.

Ich erkläre heute, warum Kinder ganz natürlich eine starke Präferenz für eine Bezugsperson beim Schlafen entwickeln – und wie Papa (oder jede andere Co-Bezugsperson) eine eigene, stabile Schlafbeziehung aufbauen kann.

Warum wollen viele Kinder nur bei Mama einschlafen?

Das ist keine Ablehnung von Papa. Das ist Biologie und Gewohnheit.

Bindung und Geruch

Kinder – besonders in den ersten 1–2 Lebensjahren – sind extrem geruchssensitiv. Der Geruch der primären Bezugsperson (meist Mama, besonders beim Stillen) ist eng verknüpft mit Sicherheit, Nahrung und Trost. Das Einschlafen ist ein Moment der Verwundbarkeit – und in diesem Moment suchen Kinder die vertrauteste Sicherheit. Wenn Mama die Person ist, die abends immer zum Einschlafen da war, dann ist das nicht nur Vorliebe – das ist ein tief eingeübtes neuronales Muster.

Gewohnheit ist mächtig

Das Gehirn kleiner Kinder ist darauf ausgelegt, Muster zu erkennen und zu wiederholen. Wenn Mama immer zum Einschlafen da war, dann löst der Anblick von Papa beim Einschlafen Alarm aus: „Das ist nicht das Muster, ich kenne das nicht, ich bin unsicher." Das ist kein persönlicher Affront gegen Papa. Das ist das Sicherheitssystem des Kindes in Aktion.

Der Unterschied beim Stillen

Bei gestillten Kindern kommt ein zusätzlicher Faktor dazu: Stillen ist nicht nur Nahrung, es ist Trost, Wärme, Beruhigung. Papa kann das biologisch nicht replizieren – und das Kind „vermisst" diesen Weg beim Einschlafen. Aber: Stillen ist nicht das Einzige, was Sicherheit vermittelt. Es ist einfach der Weg, der bisher am häufigsten genutzt wurde.

Was Papa jetzt tun kann – Schritt für Schritt

1

Langsam einsteigen – nicht sofort alleine übernehmen

Der häufigste Fehler: Papa übernimmt plötzlich und komplett das Einschlafen – und das Kind protestiert lautstark. Besser: schrittweises Einsteigen. Mama ist beim Einschlafritual dabei und Papa kommt dazu. Dann übernimmt Papa einen Teil des Rituals. Dann immer mehr. Mama ist noch greifbar – zum Beispiel direkt vor der Tür – aber Papa ist die hauptverantwortliche Person. Dieses Einsteigen sollte sich über mindestens 1–3 Wochen erstrecken.

2

Ein eigenes Ritual entwickeln – nicht Mamas imitieren

Papa muss nicht so klingen wie Mama, nicht so riechen, nicht dasselbe Lied singen. Kinder können mehrere unterschiedliche Einschlafrituale gleichzeitig haben. Papas Ritual könnte ganz anders sein:

  • Eine bestimmte Geschichte, die nur Papa erzählt (vielleicht aus dem eigenen Leben)
  • Ein bestimmtes Lied oder ein bestimmter Klang
  • Eine spezifische Körperhaltung (auf der Schulter liegen, am Rücken streicheln)
  • Ein bestimmtes Objekt, das nur beim Papa-Einschlafen dabei ist
3

Konsistenz – mindestens 3 Mal pro Woche

Einmal pro Woche funktioniert nicht. Das neue Muster sollte mindestens 3 Mal pro Woche geübt werden, damit es sich im Gehirn des Kindes einprägt. Wenn Papa nur am Wochenende das Einschlafen begleitet, bleibt es immer eine Ausnahmesituation – nie eine Selbstverständlichkeit.

4

Den Körper vertraut machen – auch tagsüber

Kinder kennen Papas Körper beim Einschlafen oft nicht so gut: Wo liegt mein Kopf? Wie riecht er? Wie fühlt sich seine Brust an? Deshalb: viel körperliche Nähe auch tagsüber – beim Lesen, beim Kuscheln, beim Fernsehen. Je vertrauter Papas Körper insgesamt ist, desto weniger fremd fühlt er sich abends an.

5

Mama muss wirklich weg sein

Wenn Mama im Haus ist und hörbar ist, wird das Kind protestieren – weil es weiß, dass Mama da ist und erreichbar ist. Besser: Mama ist währenddessen außer Haus, in der Badewanne mit Kopfhörern, oder zumindest so weit weg, dass das Kind sie nicht hört.

Was ist, wenn das Kind trotzdem eskaliert?

Es wird Abende geben, an denen das Kind weint und nach Mama ruft. Das ist normal und bedeutet nicht, dass das Konzept nicht funktioniert. Was Papa dann tun kann:

Ruhig bleiben und da sein
  • Eigenes Stresssystem senken – tiefes Atmen hilft
  • Körperlich da sein: streicheln, sanft berühren, ruhige Stimme
  • Keine langen Erklärungen: „Papa ist da. Ich bleibe bei dir. Es ist alles gut."
Nach einigen Wochen konsequenter Übung werden diese schwierigen Abende deutlich weniger.
Ein Wort an die Mama

Wenn ihr wollt, dass Papa das Einschlafen übernehmen kann, müsst ihr ihn lassen. Das klingt banal, ist aber schwerer als gedacht. Viele Mütter kommen rein, wenn das Kind weint – aus gutem Willen. Aber damit übermitteln sie dem Kind die Botschaft: „Wenn du laut genug bist, kommt Mama." Und sie nehmen Papa die Möglichkeit, sein eigenes Ritual zu etablieren.

Fazit

Es gibt keinen biologischen Grund, warum Papa kein guter Einschlaf-Elternteil sein kann. Es ist eine Frage der Zeit, der Konsistenz – und des Vertrauens aller Beteiligten ineinander. Ein Kind, das auch mit Papa einschlafen kann, entlastet Mama enorm und stärkt gleichzeitig die Vater-Kind-Bindung auf eine ganz besondere Weise.

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Häufige Fragen

Ab welchem Alter ist es sinnvoll, Papa das Einschlafen beibringen zu lassen?
Ab etwa 4–6 Monaten, wenn ein Einschlafritual eingeführt werden kann. Früher ist schwierig, weil das Einschlafen bei sehr jungen Babys stark ans Stillen gekoppelt ist. Mit 6–12 Monaten ist ein guter Zeitpunkt.
Mein Kind ist 3 und schläft immer noch nur bei Mama ein. Ist es zu spät?
Nein. Älteren Kindern kann man das sogar erklären: „Heute schläfst du mit Papa ein. Mama kommt morgen wieder." Kinder ab 2,5–3 Jahren verstehen Zeitkonzepte einfacher und können sich besser darauf einstellen.
Was ist, wenn Papa eine sehr laute oder ruppige Stimme hat?
Das Einschlafen erfordert keine perfekte Stimme – es erfordert Konsistenz und Ruhe. Papa kann bewusst lernen, die Stimme beim Einschlafritual zu senken und zu verlangsamen. Kinder gewöhnen sich an alle Stimmen, die sie kennen.
Gilt das auch für Großeltern oder Tagesmütter?
Ja, komplett. Das Prinzip ist dasselbe: Vertrautheit aufbauen, eigenes Ritual entwickeln, konsistent bleiben, und der anderen Hauptbezugsperson erlauben, „weg" zu sein.
Quellenangaben
  1. Bowlby, J. (1969): Attachment and Loss, Vol. 1: Attachment. Basic Books, New York.
  2. Ainsworth, M.D.S. et al. (1978): Patterns of Attachment: A Psychological Study of the Strange Situation. Erlbaum, Hillsdale.
  3. Feldman, R. (2003): Infant-mother and infant-father synchrony: The coregulation of positive arousal. Infant Mental Health Journal, 24(1), 1–23.
  4. Cabrera, N.J. et al. (2018): Fathers Are Parents, Too! Widening the Lens on Parenting for Child Development. Child Development Perspectives, 12(3), 152–157.
  5. DGSM – Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin: Einschlafhilfen für Kinder. dgsm.de

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