Gerade hatte ich in der Praxis einen sehr typischen Fall. Ein 4-jÀhriges MÀdchen und ihre Mutter kamen wegen einer ErkÀltung zu mir.
âWir bekommen diesen Schnupfen einfach nicht los. Das geht schon seit Wochen so und das Schlafen mit verstopfter Nase wird immer schlechter!" Gerade jetzt im FrĂŒhling klingeln da bei mir die Alarmglocken. Denn bei Kindern werden hĂ€ufig Atemwegs-Allergien ĂŒbersehen und als ErkĂ€ltung abgetan. Die Symptome können sich Ă€hneln, die Ursachen sind aber völlig unterschiedlich â und damit auch die Behandlung. Werden Allergien nicht behandelt, können sich sogar Langzeitfolgen ergeben.
Bei einer Allergie reagiert der Körper auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Der Körper löst eine Abwehrreaktion aus und schĂŒttet Histamin aus â dieser Stoff löst dann die typischen Allergie-Symptome aus. Wann ihr bei euren Kindern an eine Allergie denken solltet, und wie ich bei dem MĂ€dchen vorgegangen bin, erfahrt ihr in diesem Artikel.
Allergie oder ErkÀltung? Der Vergleich
Die Symptome können sich auf den ersten Blick sehr Àhneln. Diese Tabelle hilft euch, die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick zu erkennen:
| Merkmal | Allergie | ErkÀltung |
|---|---|---|
| Dauer | Wochen bis Monate, saisonal oder dauerhaft | 7â10 Tage, klingt dann ab |
| Schnupfen | Klar, wĂ€ssrig, flieĂend | ZunĂ€chst klar, spĂ€ter gelblich-grĂŒnlich |
| Niesen | Plötzlich, hĂ€ufig, in SchĂŒben | Gelegentlich |
| Augen | TrÀnend, gerötet, juckend | Meist unauffÀllig |
| Fieber | Nein | HĂ€ufig leichtes Fieber |
| Allgemeinzustand | Kind oft fit und aktiv trotz Symptomen | Abgeschlagenheit, MĂŒdigkeit |
| Muster | Immer wieder in bestimmten Situationen (z.B. drauĂen im FrĂŒhling) | Einmaliges Ereignis, keine SituationsabhĂ€ngigkeit |
Was spricht fĂŒr eine Allergie?
Eine wichtige Frage bei der Diagnose einer Allergie ist fĂŒr mich immer, ob es in der Familie schon bekannte Allergien gibt. Allergien werden zwar nicht direkt vererbt, aber das Risiko, an einer Allergie zu erkranken, ist zu einem groĂen Teil erblich bedingt. So liegt das Erkrankungsrisiko eines SĂ€uglings mit einem betroffenen Elternteil bei etwa 20 % â wenn beide Eltern betroffen sind, ist das Risiko sogar noch höher.
Nicht immer treten alle klassischen Symptome wie Niesattacken und FlieĂschnupfen gemeinsam auf. Oft zeigen sich Allergien auch in einer gehĂ€uften Neigung zu Infekten der oberen Atemwege und in einer nĂ€chtlichen Mundatmung mit Schnarchen. Treten die Symptome in zeitlichem Zusammenhang mit der Pollensaison auf, ist die Diagnose eines allergischen Schnupfens wahrscheinlich.
Wie wird eine Allergie getestet?
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Anamnese
AusfĂŒhrliche Befragung der Familie â der wichtigste erste Schritt. Allergie-Fragebögen oder ein Allergie-Tagebuch helfen enorm. |
Pricktest
Eine allergenhaltige Lösung wird auf die Haut am Arm getröpfelt und oberflÀchlich angestochen. Liegt eine Allergie vor, entsteht schnell eine rote, juckende Schwellung. |
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Bluttest
Spezifische Antikörper werden gemessen, die eine Sensibilisierung des Körpers auf bestimmte Allergene anzeigen. |
Behandlungsversuch
Manchmal hilft nur ein Versuch mit speziellen Nasensprays oder SĂ€ften. Verschwinden die Symptome, muss von einer Allergie ausgegangen werden. |
Wie wird eine Allergie behandelt?
Ein Heuschnupfen oder eine Hausstaubmilben-Allergie sollte immer behandelt werden. Eine Behandlung ist auch deshalb wichtig, um einen sogenannten âEtagenwechsel" zu verhindern â das heiĂt ein Absteigen der Erkrankung in die Bronchien. Bei einigen Kindern entwickelt sich nĂ€mlich aus einem unbehandelten Heuschnupfen ein allergisches Asthma bronchiale.
Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)
Die einzige Behandlung, welche die Allergie stoppen und die Entwicklung eines Asthmas verhindern kann, ist die spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt. Diese dauert normalerweise mindestens drei Jahre und sollte so frĂŒh wie möglich (normalerweise ab dem 5. Lebensjahr) durchgefĂŒhrt werden. Klassisch erhĂ€lt das Kind einmal im Monat eine Spritze unter die Haut. Inzwischen gibt es aber auch eine sublinguale Behandlung, bei der man tĂ€glich Tropfen oder eine Schmelztablette unter die Zunge bekommt.
Beschwerdelinderung
Eine Beschwerdelinderung kann zunĂ€chst auch ĂŒber Antihistaminika erreicht werden â also antiallergische Augentropfen, Nasensprays oder Antihistaminika als Saft oder Tablette. Bei einer Hausstaubmilben-Allergie kommen zusĂ€tzlich spezielle BezĂŒge fĂŒr Matratzen und Bettdecken zum Einsatz (sogenanntes Encasing).
Wie ging es bei meiner Patientin weiter?
Nach einem ausfĂŒhrlichen GesprĂ€ch ergab sich, dass der Vater des MĂ€dchens bereits eine Hausstaubmilbenallergie hat. Da das MĂ€dchen aber erst seit einem halben Jahr in den Kindergarten geht, ging die Familie automatisch von einer ErkĂ€ltung durch die âKita-Viren" aus.
Nach meinem Allergie-Verdacht fĂŒhrte ich eine Blutuntersuchung durch, in der sich eine starke Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben zeigte. Zusammen mit ihren Beschwerden konnte ich die Diagnose einer Hausstaubmilben-Allergie stellen.
Bei meiner jungen Patientin wird jetzt zunĂ€chst ein sogenanntes Encasing stattfinden (spezielle BettbezĂŒge und Matratze, staubfreies Schlafzimmer), da sie fĂŒr eine Hyposensibilisierung noch zu jung ist. AuĂerdem bekommt sie Antihistaminika in Form von Nasenspray. Im Verlauf â ab 5 Jahren â werde ich der Familie eine Hyposensibilisierung empfehlen.
Fazit
Atemwegs-Allergien (Heuschnupfen, Hausstaubmilben-Allergie) werden bei Kindern hĂ€ufig ĂŒbersehen. Kinder mit Allergien schlafen oft schlechter und weniger, sind tagsĂŒber unruhig und gereizt und haben spĂ€ter in der Schule durchschnittlich schlechtere Noten als gesunde Kinder. Auch Langzeitfolgen wie die Entwicklung eines Asthma bronchiale können bei Nichtbehandlung vorkommen.
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Zum Kind-Krank-Kurs â- AWMF S3-Leitlinie AllergieprĂ€vention (2022). awmf.org
- BZgA â kindergesundheit-info.de: Allergien bei Kindern. kindergesundheit-info.de
- KinderĂ€rzte im Netz: Allergien â Therapie. kinderaerzte-im-netz.de




