Magen-Darm-Infekte gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Kindesalter – und Eltern sind häufig ratlos, wie sie ihrem Kind bei Erbrechen und Durchfall helfen können. Die gute Nachricht: Die meisten Fälle sind gut zu Hause zu begleiten!
Hier erkläre ich euch, was wirklich hilft, was überbewertet wird – und wann ihr zum Arzt müsst.
Was ist eigentlich ein Magen-Darm-Infekt?
Die meisten Durchfallerkrankungen bei Kindern sind infektiös bedingt. Der größte Teil ist durch Viren verursacht – z.B. durch Noroviren, Rotaviren oder Enteroviren. Manchmal stecken auch Bakterien (z.B. Salmonellen) dahinter, noch seltener Parasiten. Das Ergebnis ist immer dasselbe: Die Darmschleimhaut ist entzündet, Flüssigkeit wird schlechter aufgenommen, der Darm läuft schneller – Durchfall und manchmal Erbrechen sind die Folge.
Das Wichtigste: Flüssigkeit und Elektrolyte
Der größte Risikofaktor bei Durchfall beim Kind ist die Austrocknung (Dehydration). Besonders Babys und Kleinkinder verlieren bei Durchfall und Erbrechen schnell zu viel Flüssigkeit und Elektrolyte (Natrium, Kalium, Zucker).
Orale Rehydrationslösung (ORL)
Das ist das einzig wirklich evidenzbasierte Hausmittel bei Durchfall bei Kindern. ORL-Lösungen (z.B. Oralpädon, Elotrans) enthalten die richtige Balance aus Salzen und Zucker, die der Körper braucht, um Flüssigkeit effektiv aufzunehmen. Ihr könnt auch selbst eine solche Elektrolytlösung nach WHO-Rezept herstellen:
- 1 Liter Wasser (abgekocht oder stilles Mineralwasser)
- 4 TL Zucker
- ½ TL Salz
- optional 1 Tasse Orangensaft (für Kalium)
Was taugen die klassischen Hausmittel?
| Hausmittel | Bewertung | Warum? |
|---|---|---|
| Cola & Salzstangen | Nicht empfohlen | Zu viel Zucker, falsches Verhältnis von Zucker und Elektrolyten, zu wenig Natrium |
| Schwarztee mit Zucker | Nicht empfohlen | Kein relevanter Elektrolytgehalt, kein medizinischer Nutzen |
| Geriebener Apfel / Pektin | Bedingt sinnvoll | Kann den Stuhlgang etwas verfestigen, kein Ersatz für Elektrolyte |
| Zwieback & Salzcracker | In Ordnung | Geeignet, sobald das Kind wieder essen möchte |
| Getrocknete Heidelbeeren | Traditionell sinnvoll | Tannine hemmen Bakterien leicht – traditionell gegen Durchfall eingesetzt |
| Karottensuppe (Moro-Suppe) | Sinnvoll | Wissenschaftlich untersucht – Oligosaccharide können die Bindung von Bakterien an den Darm hemmen |
Essen: Was und wann?
Die alte Empfehlung war Nahrungskarenz für 1–2 Tage. Die aktuelle Empfehlung: So früh wie möglich wieder essen lassen, wenn das Kind möchte. Leichte Kost: Zwieback, Reisschleim, Banane, Karotte, Toast. Keine fettigen oder stark gewürzten Speisen.
Was ihr nicht tun sollt
- Kein Loperamid (Imodium) bei Kindern unter 12 Jahren ohne ärztliche Rücksprache – hemmt die Darmtätigkeit und verhindert die Ausscheidung der Erreger
- Keine Antibiotika bei viralen Infekten – die meisten Magen-Darm-Infekte sind viral, Antibiotika wirken nicht gegen Viren
Zeichen von Austrocknung erkennen
Achtet auf diese Warnsignale – sie zeigen, dass euer Kind zu viel Flüssigkeit verliert:
- Weniger Urin als sonst
- Trockene Schleimhäute (trockener Mund, keine Tränen beim Weinen)
- Eingefallene Augen
- Schlaffe Haut (Hautfalte bleibt kurz stehen)
- Extreme Schlappheit oder Reizbarkeit
- Gewichtsabnahme innerhalb weniger Tage
Wann zum Arzt?
- Zeichen von Austrocknung (siehe oben)
- Blut im Stuhl
- Hohes Fieber bei Babys unter 6 Monaten
- Erbrechen bei Neugeborenen (unter 3 Monate)
- Starke Bauchschmerzen
- Durchfall länger als 3–5 Tage
Rotavirus-Impfung: Der beste Schutz
Rotaviren sind die häufigste Ursache für schwere Magen-Darm-Infekte bei Babys unter 2 Jahren. Die Rotavirus-Schluckimpfung ist seit 2013 von der STIKO empfohlen und wird im 2., 3. und 4. Lebensmonat gegeben (je nach Impfstoff 2 oder 3 Dosen).
Fazit
Bei Durchfall und Erbrechen gilt: Flüssigkeit und Elektrolyte sind die entscheidende Maßnahme. Orale Rehydrationslösungen sind daher das beste Hilfsmittel. Früh wieder essen lassen kann helfen, aber nur wenn das Kind möchte.
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Zum Kind-Krank-Kurs →Häufige Fragen
- ESPGHAN Guidelines: Acute Gastroenteritis in Children. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2014. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- WHO: The Treatment of Diarrhoea – A Manual for Physicians. who.int
- RKI – Durchfallerkrankungen. rki.de
- Szajewska H et al.: Lactobacillus rhamnosus GG for acute gastroenteritis in children – Meta-analysis. Aliment Pharmacol Ther. 2019. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- STIKO – Rotavirusimpfung: Empfehlung 2021. rki.de/stiko




