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Fieberkrampf - ein kompletter Ratgeber

Fieberkrampf - ein kompletter Ratgeber
đŸ€’ Kind ist krank

Einer der hĂ€ufigsten KindernotfĂ€lle ist der Fieberkrampf. Die typische Situation: Euer Kind hat einen leichten Atemwegsinfekt – und plötzlich zucken alle Glieder, die Augen verdrehen sich, euer Kind reagiert nicht mehr. Das ist ein Fieberkrampf. Und es ist einer der erschreckendsten Momente, den Eltern erleben können.

Die gute Nachricht vorab: 2 bis 5 Prozent aller Kinder erleben mindestens einmal einen Fieberkrampf – aber die meisten FieberkrĂ€mpfe sind harmlos und hinterlassen keine bleibenden SchĂ€den!

Was ist ein Fieberkrampf?

Ein Fieberkrampf ist ein Krampfanfall, der durch einen raschen Fieberanstieg ausgelöst wird – meist bei Temperaturen ĂŒber 38,5 °C. FieberkrĂ€mpfe beruhen vermutlich auf einer genetischen Veranlagung des Gehirns, auf fieberhafte Infekte mit KrampfanfĂ€llen zu reagieren. Deshalb können FieberkrĂ€mpfe auch in einer Familie gehĂ€uft auftreten.

Typischer Verlauf: Das Kind verliert das Bewusstsein, der Körper verkrampft, Arme und Beine zucken rhythmisch, die Augen verdrehen sich. Meistens dauert dies 1–5 Minuten, in seltenen FĂ€llen bis zu 15 Minuten.

FieberkrĂ€mpfe treten typischerweise zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 5. Lebensjahr auf – in der Zeit, in der das Gehirn noch reift und deshalb besonders temperaturempfindlich ist.

Sofortmaßnahmen: Was ihr tun mĂŒsst

Schritt fĂŒr Schritt
  • 1
    Ruhe bewahren – einfacher gesagt als getan, aber entscheidend.
  • 2
    Kind sichern: Auf den Boden legen, Sturz verhindern. Stabile Seitenlage wenn möglich (schĂŒtzt vor Aspiration). Polsternde GegenstĂ€nde in die NĂ€he – aber nichts in den Mund stecken!
  • 3
    NICHTS in den Mund stecken – kein Löffel, kein Finger, kein „Beißschutz". Das ist ein gefĂ€hrlicher Mythos. Kinder verschlucken ihre Zunge nicht.
  • 4
    Zeit messen: Wie lange dauert der Krampf? Das ist wichtig fĂŒr den Arzt.
112 rufen bei ...
  • Erster Fieberkrampf
  • Anfall dauert lĂ€nger als 5 Minuten
  • Kind erholt sich nach dem Anfall nicht (bleibt bewusstlos)
  • Zweiter Anfall innerhalb von 24 Stunden
  • Euer Kind ist jĂŒnger als 6 Monate

Nach dem Krampfanfall – was passiert dann?

Nach einem Fieberkrampf folgt meist eine Phase der Erschöpfung und Verwirrung – das Kind schlĂ€ft ein oder ist sehr schlĂ€frig. Das ist normal. Wenn das Kind sich innerhalb von 30 Minuten beruhigt, ansprechbar wird und wieder normal reagiert: gut.

Jedes Kind nach einem erstmaligen Fieberkrampf sollte vom Kinderarzt untersucht werden – um andere Ursachen wie HirnhautentzĂŒndung oder Epilepsie auszuschließen.

Ist ein Fieberkrampf gefÀhrlich?

Viele Eltern sind nach einem Fieberkrampf sehr besorgt: Wird mein Kind jetzt Epilepsie bekommen? Hat das Gehirn meines Kindes Schaden erlitten?

Ich kann euch beruhigen: Das Gehirn erleidet durch einen einfachen kurzen Fieberkrampf in der Regel keinen Schaden. Kinder mit FieberkrÀmpfen entwickeln sich genauso normal wie Kinder ohne FieberkrÀmpfe. Und das Risiko, dass spÀter eine Epilepsie auftritt, ist nicht entscheidend erhöht im Vergleich zu Kindern ohne FieberkrÀmpfe.

Kann man FieberkrÀmpfe verhindern?

Nicht zuverlĂ€ssig. Auch die frĂŒher vielfach empfohlene konsequente Fiebersenkung bei fieberhaften Infekten stellt keine sichere Schutzmaßnahme dar. FieberkrĂ€mpfe treten meistens im Fieberanstieg auf und sind nicht vorhersehbar.

Notfall-Medikament zu Hause: Bei Kindern mit bekannter Fieberkrampfneigung gibt es Notfall-Medikamente (z.B. Diazepam-Suppositorien), die ihr in Absprache mit eurem Kinderarzt zu Hause haben und im Notfall geben könnt.

Fazit

Ein Fieberkrampf ist fĂŒr Eltern ein extrem beĂ€ngstigendes Szenario, aber im medizinischen Sinne in aller Regel harmlos. Er hat keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung eures Kindes, verursacht keine SchĂ€digung des Gehirns und hat in der Regel kein erhöhtes Epilepsierisiko fĂŒr das spĂ€tere Leben.

Mit einem Erste-Hilfe-Kurs könnt ihr aber Sicherheit erlernen, um im Notfall richtig reagieren zu können.

Im Ernstfall sicher handeln

Im Erste-Hilfe-Kurs von deinkinderdoc lernst du, wie du bei FieberkrĂ€mpfen, Bewusstlosigkeit und anderen NotfĂ€llen ruhig und richtig reagierst – verstĂ€ndlich erklĂ€rt von Aaron.

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HĂ€ufige Fragen

Kann mein Kind beim Fieberkrampf die Zunge verschlucken?â–Ÿ
Nein. Das ist ein weit verbreiteter Mythos. Steckt nichts in den Mund – das ist gefĂ€hrlich fĂŒr euch und euer Kind.
Wie hoch muss das Fieber sein, damit ein Fieberkrampf entsteht?â–Ÿ
Meistens tritt er bei ĂŒber 38,5 °C auf – aber nicht die absolute Höhe, sondern die Geschwindigkeit des Fieberanstiegs ist entscheidend. Auch bei „nur" 38,8 °C kann ein Krampf entstehen.
Mein Kind hatte schon zwei FieberkrĂ€mpfe – muss ich mir Sorgen machen?â–Ÿ
Wiederholte FieberkrĂ€mpfe sind hĂ€ufig – 30–50 % der betroffenen Kinder haben mehrere. Eine EEG-Untersuchung und RĂŒcksprache mit dem Kinderarzt oder Kinderneurologen ist bei wiederholten KrĂ€mpfen sinnvoll.
Soll ich beim nĂ€chsten Fieber sofort fiebersenkende Mittel geben?â–Ÿ
Das ist umstritten. Ibuprofen oder Paracetamol senken das Fieber, verhindern den Krampf aber nicht zuverlÀssig. Besprecht mit eurem Kinderarzt einen individuellen Notfallplan.
Quellenangaben
  1. DGKJ – FieberkrĂ€mpfe: Diagnostik und Therapie. dgkj.de
  2. Nabbout R et al.: Febrile seizures – clinical management. Lancet Child Adolesc Health. 2020. thelancet.com
  3. Deutsche Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN): Leitlinie FieberkrĂ€mpfe. dgn.org
  4. KinderĂ€rzte im Netz – Fieberkrampf. kinderaerzte-im-netz.de

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