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Kinderkrankheiten

Hüftschmerzen - Ein Fall aus der Praxis

Hüftschmerzen - Ein Fall aus der Praxis
🩺 Fall aus der Praxis

Diese Woche war eine sehr besorgte Mutter mit ihrer 10-jährigen Tochter bei mir in der Kinderarztpraxis. „Seit gestern hinkt sie plötzlich", berichtet die Mutter. „Und sie sagt, die Hüfte tut weh."

Auf Nachfrage erzählt die Mutter, dass ihre Tochter vor etwa einer Woche einen leichten Infekt hatte – Schnupfen und etwas Husten. Inzwischen sei das aber komplett abgeklungen.

Hüftschmerzen bei Kindern sind gar nicht so selten – und meistens steckt etwas ganz Harmloses dahinter. In seltenen Fällen kann aber auch eine sehr ernsthafte Erkrankung dahinterstecken, deshalb sollte man so einen Fall immer ernst nehmen und gut untersuchen. In diesem Beitrag erfährst du, welche Krankheitsbilder bei Hüftschmerzen nicht übersehen werden dürfen – und was ich bei dem 10-jährigen Mädchen untersucht habe, um die richtige Diagnose zu finden.

Die Untersuchung

Das Wichtigste zuerst ist für mich immer der Gesamteindruck eines Kindes. Wie krank wirkt es? Hier war ich erstmal beruhigt, denn das Mädchen wirkte fit und erzählte mir von ihrem Lieblingsfach „Sport" in der Schule. Dann wollte ich mir das beschriebene Hinken natürlich selbst anschauen. Also bat ich das Mädchen, im Untersuchungszimmer herumzulaufen. Beim Gehen fiel sofort auf: Das Mädchen schonte das betroffene Bein und hinkte wirklich deutlich.

Körperlicher Befund
  • Schmerzen bei Bewegung der Hüfte, insbesondere bei Innenrotation des Beines
  • Keine Rötung oder Schwellung
  • Kein Fieber

Aufgrund der Erzählung der Mutter und der körperlichen Untersuchung war ich mir eigentlich schon sicher, um was es sich handeln musste. Mittels Ultraschall habe ich auch direkt noch den typischen Erguss um das Hüftgelenk gesehen. Um nichts zu verpassen, habe ich noch eine Blutuntersuchung veranlasst, um Entzündungszeichen sicher auszuschließen.

Diagnose Coxitis fugax auch bekannt als „Hüftschnupfen"

Was kann noch hinter Hüftschmerzen stecken?

Warum ist bei dem harmlosen Hüftschnupfen trotzdem eine genaue Abklärung so wichtig? Das liegt daran, dass schwerwiegende Erkrankungen oft mit ähnlichen Beschwerden beginnen, dann aber zu einem Notfall werden, der schnell behandelt werden muss. Das ist vor allem die bakterielle Hüftgelenksentzündung – hier kommen dann aber auch noch Fieber, Entzündungszeichen und ein schlechter Allgemeinzustand dazu. Bei dem 10-jährigen Mädchen lagen diese Warnzeichen zum Glück nicht vor.

Diese Krankheitsbilder können ebenfalls hinter Hüftschmerzen stecken, sind aber sehr selten:

  • Verletzungen (auch unbemerkte)
  • Morbus Perthes
  • Rheumatologische Erkrankungen
  • Andere orthopädische Ursachen (Epiphyseolysis capitis femoris, Knochentumore)

Was genau ist der „Hüftschnupfen" – und wie wird er behandelt?

Die Coxitis fugax ist eine vorübergehende Reizung des Hüftgelenks, häufig ausgelöst durch einen vorangegangenen Infekt (wie eine Erkältung) oder eine immunologische Reaktion des Körpers.

Nach meiner Diagnose konnte ich die Mutter beruhigen und habe ihr erklärt, dass die Erkrankung gutartig und selbstlimitierend ist. Das Hinken kann ein paar Tage bestehen bleiben – ihre Tochter sollte aber in 1–2 Wochen wieder vollständig beschwerdefrei sein. Die Behandlung ist unkompliziert: Schonung (kein Sport, kein Rennen), bei Bedarf Schmerzmittel wie Ibuprofen – und vor allem Geduld.

Wann sollte man nochmal zum Arzt?

Über folgende Warnzeichen habe ich die Mutter noch aufgeklärt:

Nochmal zum Arzt, wenn ...
  • keinerlei Besserung nach 5–7 Tagen
  • Beschwerden länger als 2 Wochen anhalten
  • Fieber noch dazukommt
  • Schmerzen schlimmer werden
In diesen Fällen sollte man nochmal in die Praxis kommen – dann müssten weitere Untersuchungen, wie z.B. ein Röntgenbild, durchgeführt werden.

Fazit

Hüftschmerzen und plötzliches Hinken bei Kindern wirkt für Eltern oft beunruhigend – ist aber häufig harmlos. Die Coxitis fugax ist eine der häufigsten Ursachen und heilt in der Regel folgenlos aus.

Trotzdem solltet ihr Hüftschmerzen ernstnehmen: Lieber einmal zu viel abklären lassen als einmal zu wenig.

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