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Tierbisse bei Kindern. Ein Fall aus der Praxis

Tierbisse bei Kindern. Ein Fall aus der Praxis
đŸ©ș Fall aus der Praxis

Diese Woche stellte sich ein 12-jĂ€hriges MĂ€dchen in meiner Praxis vor. Beim Spielen mit der Katze der Nachbarin wurde sie in den Finger gebissen. Auf den ersten Blick wirkte alles harmlos: keine Rötung, keine Schwellung, keine Schmerzen – lediglich zwei kleine Punktionsstellen.

Und genau hier liegt das Problem: Tierbisse sehen oft harmloser aus, als sie sind.

Wie hÀufig sind Tierbisse bei Kindern?

Ein Großteil der Bissverletzungen wird laut DGU (Deutsche Gesellschaft fĂŒr Unfallchirurgie) von Hunden (60–90 %) und Katzen (5–10 %) verursacht. Andere Bissverletzungen durch Menschen, Pferde, Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten, Hamster, MĂ€use oder Schlangen kommen deutlich seltener vor.

Warum gerade Katzenbisse tĂŒckisch sind

Katzen haben sehr feine, spitze ZĂ€hne. Dadurch kommt es zu tiefen Stichverletzungen. Was manchmal zunĂ€chst harmlos aussieht, sollte ernst genommen werden. Die Haut kann unauffĂ€llig aussehen, wĂ€hrend sich darunter bereits eine Infektion entwickelt. Denn bei einem Biss werden Krankheitserreger des Tieres auf den Menschen ĂŒbertragen. Unbehandelt können schwere EntzĂŒndungen entstehen, bei denen neben der Haut auch Muskeln, Sehnen, Nerven und Knochen dauerhaft geschĂ€digt werden können.

Besonders bei Bissen an der Hand – und vor allem an den Fingern – ist Vorsicht geboten. Hier können sich besonders schnell folgende Komplikationen entwickeln: Weichteilinfektion (Cellulitis), SehnenscheidenentzĂŒndung, Gelenkinfektion und in seltenen FĂ€llen sogar eine Sepsis. HĂ€ufigster Erreger bei Katzenbissen ist Pasteurella multocida.

Wie gehe ich in so einem Fall vor?

Das 12-jĂ€hrige MĂ€dchen zeigte eine Bisswunde am rechten Zeigefinger – zum GlĂŒck nicht in der NĂ€he des Fingergelenks. Die Wunde sah relativ harmlos aus: keine Rötung, keine Schwellung, und das MĂ€dchen konnte den Finger ohne Schmerzen normal bewegen. In so einem Fall gehe ich immer gleich vor:

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Antibiotika auch ohne sichtbare Infektion

Katzenbiss an der Hand = Antibiotika. Auch wenn keine Rötung, keine Schwellung und keine Schmerzen vorhanden sind. Je nach Verletzungsmuster und Alter des Kindes kann sogar eine stationÀre Krankenhausaufnahme mit intravenöser Antibiotikagabe notwendig sein.

Was darf man nicht vergessen?

Ganz wichtig bei Tierbissen ist auch der Check des Impfstatus. Am besten den Impfausweis mitbringen – es gibt zwei Dinge zu prĂŒfen:

Impfstatus prĂŒfen
  • Tetanus-Impfstatus prĂŒfen und bei ImpflĂŒcken nachholen
  • Bei unbekannten Tieren: ggf. Tollwut-Risiko abklĂ€ren (in Deutschland zum GlĂŒck extrem selten)

Ich empfehle außerdem immer eine Verlaufskontrolle nach 24–48 Stunden. Und Eltern sollen sofort wiederkommen, wenn folgende Warnsignale auftreten:

Sofort zurĂŒck zum Arzt bei
  • Zunehmende Schmerzen
  • Rötung rund um die Wunde
  • Schwellung
  • BewegungseinschrĂ€nkung des Fingers
  • Fieber

Wie ging es bei meiner Patientin weiter?

Auflösung des Falls

Da die Wunde an der Hand war und es sich um einen Katzenbiss handelte, habe ich das MĂ€dchen trotz des harmlosen Erscheinungsbildes mit einem Antibiotikum (Amoxicillin + ClavulansĂ€ure) nach Hause geschickt – und eine engmaschige Verlaufskontrolle in der Praxis vereinbart. Eine stationĂ€re Aufnahme konnte ich ihr damit ersparen.

Fazit

Bissverletzungen durch Hunde oder Katzen bergen ein hohes Infektionsrisiko. Gerade bei unbekannten Katzen und Hunden von Nachbarn oder auf der Straße solltet ihr im Beisein eurer Kinder besonders vorsichtig sein. ErklĂ€rt ihnen frĂŒhzeitig, wie sie sich bei fremden Tieren verhalten sollen.

Kommt es dennoch zu einem Biss: Bissverletzungen von Haustieren dĂŒrfen auf keinen Fall unterschĂ€tzt werden. Egal wie harmlos der Biss wirkt – geht zum Kinderarzt und lasst es untersuchen.
Im Ernstfall wissen, was zu tun ist

Im Erste-Hilfe-Kurs von deinkinderdoc lernst du, wie du bei Bissverletzungen, Wunden und anderen NotfĂ€llen ruhig und richtig handelst – erklĂ€rt von Aaron.

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Quellenangaben
  1. Tier- und Menschenbissverletzungen. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 112, Heft 25, 2015.
  2. Unfallchirurgisch Relevantes zu Bissverletzungen von Mensch und Tier. springermedizin.de
  3. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung – Tierbisse. dguv.de

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